Stellt Euch
vor, auf einen zwei Monate dauernden Boot-Trip zu gehen, um
musikalische Inspiration auf offener See zu suchen – welche
Musik würde da wohl entstehen? Nun ja, so genau weiß
ich es selbst nicht, aber ich denke, sie würde sehr ruhig
und harmonisch werden. Trond Engum – Mastermind hinter
The Third & The Mortal – hat diese verrückte
Aktion gestartet und ist mit dem Debüt seines Solo-Projektes
THE SOUNDBYTE zurückgekommen. Und ich
muss sagen, das Resultat ist berauschend, wenngleich es in etwa
so klingt wie ich es erwartet hatte. Tatsächlich wurden
die meisten Songs in den letzten 6 Jahren geschrieben, doch
aufgenommen wurde das ganze an Bord(!) und es ist anzunehmen,
dass allein diese Tatsache noch einiges an Atmosphäre und
neuen Ideen zum Produkt beisteuerte.
River Of Broken Glass ist ein Trip
ins dunkle Ambiente, beschwörende Atmosphäre, vermengt
mit dreckigen Gitarren und energetischem Drumming, “Cold
Cutting Music”, wie es Engum selbst nennt. Und obwohl
ich die Essenz dieser komischen Umschreibung nicht wirklich
verstehe, muss ich zugeben, dass die 10 Tracks eine schwer definierbare
Identität haben: Kalt und doch organisch warm erklingend,
düster aber mit viel Hoffnung versehen und schließlich
sind sie hypnotisch und süchtig machend. Vom Massive Attack-mäßigen
Songwriting bei Fall oder Monyon, über
das bedrohliche Addiction Complete, bis zum Nick Cave-inspirierten
Lie oder Paatos-beeinflussten Reflections Of Broken
Glass, ist Engum’s Material ein herausragendes Stück
Musik geworden, dessen einzigen Fehler der fehlplazierte Track
Waiting darstellt, der viel am Fluss und der Homogenität
des Albums nimmt, weil er zu positiv und jazzig ausgefallen
ist. Schade! River Of Broken Glass
endet mit dem verstörendsten und bösesten Song, The
Dark, der mich stark an Moonspell’s Tired erinnert
(ohne Metal-Gitarren) und den Hörer mental in der Leere
zurücklässt.
THE SOUNDBYTE ist eine der beeindruckendsten
Veröffentlichungen geworden, die ich seit Monaten abseits
des Metal-Genres gehört habe und die mich dazu verleitet,
dieses Stück avantgardistischer Kunst immer und immer wieder
anzuhören. Nachdem ich gerade zu rauchen aufgehört
habe, ist dies nun eine ziemlich positive Art der Sucht ;)