THE SOUNDBYTE – Rivers Of Broken Glass

 
Label: Aural Music
Release: 29.11.2004
Von: Medion
Punkte: 9,5/10
Time: 45:23
Stil: Dark Ambient Rock
URL: The Soundbyte
 

Stellt Euch vor, auf einen zwei Monate dauernden Boot-Trip zu gehen, um musikalische Inspiration auf offener See zu suchen – welche Musik würde da wohl entstehen? Nun ja, so genau weiß ich es selbst nicht, aber ich denke, sie würde sehr ruhig und harmonisch werden. Trond Engum – Mastermind hinter The Third & The Mortal – hat diese verrückte Aktion gestartet und ist mit dem Debüt seines Solo-Projektes THE SOUNDBYTE zurückgekommen. Und ich muss sagen, das Resultat ist berauschend, wenngleich es in etwa so klingt wie ich es erwartet hatte. Tatsächlich wurden die meisten Songs in den letzten 6 Jahren geschrieben, doch aufgenommen wurde das ganze an Bord(!) und es ist anzunehmen, dass allein diese Tatsache noch einiges an Atmosphäre und neuen Ideen zum Produkt beisteuerte.
River Of Broken Glass ist ein Trip ins dunkle Ambiente, beschwörende Atmosphäre, vermengt mit dreckigen Gitarren und energetischem Drumming, “Cold Cutting Music”, wie es Engum selbst nennt. Und obwohl ich die Essenz dieser komischen Umschreibung nicht wirklich verstehe, muss ich zugeben, dass die 10 Tracks eine schwer definierbare Identität haben: Kalt und doch organisch warm erklingend, düster aber mit viel Hoffnung versehen und schließlich sind sie hypnotisch und süchtig machend. Vom Massive Attack-mäßigen Songwriting bei Fall oder Monyon, über das bedrohliche Addiction Complete, bis zum Nick Cave-inspirierten Lie oder Paatos-beeinflussten Reflections Of Broken Glass, ist Engum’s Material ein herausragendes Stück Musik geworden, dessen einzigen Fehler der fehlplazierte Track Waiting darstellt, der viel am Fluss und der Homogenität des Albums nimmt, weil er zu positiv und jazzig ausgefallen ist. Schade! River Of Broken Glass endet mit dem verstörendsten und bösesten Song, The Dark, der mich stark an Moonspell’s Tired erinnert (ohne Metal-Gitarren) und den Hörer mental in der Leere zurücklässt.
THE SOUNDBYTE ist eine der beeindruckendsten Veröffentlichungen geworden, die ich seit Monaten abseits des Metal-Genres gehört habe und die mich dazu verleitet, dieses Stück avantgardistischer Kunst immer und immer wieder anzuhören. Nachdem ich gerade zu rauchen aufgehört habe, ist dies nun eine ziemlich positive Art der Sucht ;)