Atemberaubend
oder nervig – zwischen diesen beiden Gefühlskomponenten
bewegen sich CONTROL HUMAN DELETE. Schon das
Cover zeichnet also ein apokalyptisches Weltbild – und
der passende Soundtrack wird mit Terminal World
Perspective geliefert. Die Songs sind wirklich
variabel gestaltet, immer wieder von hochklassigen Melodien
durchzogen, doch das programmierte Schlagzeug schmälert
den Hörgenuss ein wenig. Die Band setzt die Programmierung
sicherlich bewusst ein, um der Weltuntergangsstimmung Rechnung
zu tragen, nur nach einer gewissen Zeit nutzt sich der Immer-Schneller-Und-Hektischer-Effekt
doch merklich ab. Ich bin über jeden langsameren Part erfreut,
fast doomig kommen solche Kontrastelemente wie in Protocol
Systematic Belief oder dem Highlight The Creation Equivalence
Principle der Intensität der sonst heftigen Darbietung
nur zugute. Erstgenannter Song bietet zudem ein nettes Gitarrensolo
und so spreche ich hier mit ruhigem Gewissen von einem gelungenen
Beginn der Platte, da auch die industrialartigen Gitarrenparts
nicht als störend empfunden werden. Wie oben erwähnt,
kommen Ruhepausen durchaus gelegen, nur finde ich das entspannte
Monsterstück Transpherum mit über 11 Minuten
viel zu lang(weilig). Da passt ein kurzes klassisches Sample
wie am Ende von Operation: Genesis Reprise viel eher.
Die durchwegs recht langen Kompositionen verlangen auf jeden
Fall vollste Konzentration, will man den Unmengen an Breaks
und Details so halbwegs folgen. Das Soundgewand präsentiert
sich äußerst modern und kalt, also bestens als Abkühlung
im Kampf gegen die derzeit herrschenden tropischen Außentemperaturen
geeignet. Leider ist auch das Abschlussstück Absolution
ein fad dahinschwebender Langeweiler und bringt CONTROL
HUMAN DELETE nicht gerade viele Sympathiepunkte auf
meiner persönlichen Beliebtheitsskala ein – und ich
empfinde es dann auch wörtlich als Erlösung, als die
modernen Klänge nach 11 Minuten endlich zum Ende kommen.
Terminal World Perspective ist eine
absolute Stimmungsplatte, nichts für nebenbei und auch
ungeeignet, dass ich es mir jeden Tag zum Einschlafen anhören
könnte. Wer gute Nerven hat und einen Adrenalinschub an
einem müden Tag braucht, sollte diese CD im Handschuhfach
seines Autos griffbereit verstauen oder beim Laufen im Player
rotieren lassen - da könnte man eine fabelhafte Kilometerzeit
aufstellen, mit gelegentlichen Sprints und Verschnaufpausen
inklusive - wenn man sich nicht schon vorher wegen der andauernden
Taktwechsel die Beine verknotet hat…