Oha
– das gefällt mir aber schon ganz gut! Mit Lost
Inc. haben sich die Italiener von WHITE PULP
im Vergleich zum Debütalbum doch wirklich ordentlich gesteigert.
Als Marilyn Manson Coverband gestartet, waren dessen Einflüsse
auf besagtem Debüt (irgendwie logischerweise) mehr als
deutlich, konnten damit zumindest bei mir aber nur ausgiebiges
Gähnen verursachen. Und so ist Lost Inc.
wider Erwarten doch eine mehr als angenehme Überraschung.
Statt verkrampft auf einer Möchtegern-Sick-Schiene zu fahren,
kommt Lost Inc. extrem entspannt daher und bietet
zwar leicht verdauliche, aber dadurch nicht automatisch schlechte
oder langweilige, Kost. WHITE PULPs Sound ist nach wie
vor nicht unbedingt als eigenständig zu bezeichnen, aber
ihr rockiger und irgendwie einschmeichelnder Stilmix aus futuristischem
Elektro-Pop und bratenden Gitarren, der sich grob in der Schnittmenge
von Orgy, Depeche Mode und etwas Paradise Lost (Host) bewegt,
geht gut ins Ohr und weiß zusammen mit den charismatischen
Vocals, sieht man deutlich hörbaren Akzent einmal ab, durchaus,
den Hörer bei Laune zu halten.
Vor Allem Songs wie das pumpende Malediction, das treibende
und von sehr guten Synths begleitete Titelstück und der
klare Hit der Platte, Run Into, haben durchaus großes
Club- bzw. Radiopotential. Auch die Coverversion von Mad
World ist ordentlich, wenn auch durch die bratzigen Gitarren
das ursprüngliche Feeling des Songs etwas verloren geht.
Leider haben sich aber zum Ende von Lost Inc.
mit Straight To Your Head und Unless You Are Not A
Slut zwei nervige und viel zu noisige Songs eingeschlichen.
Hier scheinen zwar NIN als Vorbilder durch, doch erreichen WHITE
PULP erst mit dem folgenden S.T.F.U. das Level einer
so gerade eben als gelungen zu bezeichnenden Huldigung selbiger.
Man bekommt zwar von WHITE PULP auf diese Weise ein breites
Spektrum geboten, doch wird klar, in welchem Bereich die eigentlichen
Stärken bzw. die Schwächen des Trios liegen.
Für diese Ausfälle entschädigen dann allerdings
teilweise wieder das sanfte Misunderstood Sweetness und
Akustikversionen dreier Songs des Debütalbums, welche durch
die Reduzierung auf das Nötigste wirklich interessant klingen
und fast schon in eine alternative Singer/Songwriter Ecke gehen,
die sich als Kontrast zum dichten elektronischen Sound gut macht
und Lost Inc. eine weitere Facette hinzufügt.
Allen, die mit oben genannten Vergleichsbands etwas anfangen
können und die mal wieder Lust auf unkomplizierte, leichte
Düster-Rockmusik (glücklicherweise) fernab von pseudo-dramatischem
Gothic Tralala haben, sei ein Probehören auf jeden Fall
empfohlen.