WHITE PULP – Lost Inc.

 
Label: Echozone
Release: 07.05.2010
Von: Bulletrider
Punkte: 7/10
Time: 58:55
Stil: Dark Rock/Elektro Pop
URL: White Pulp
 
Oha – das gefällt mir aber schon ganz gut! Mit Lost Inc. haben sich die Italiener von WHITE PULP im Vergleich zum Debütalbum doch wirklich ordentlich gesteigert. Als Marilyn Manson Coverband gestartet, waren dessen Einflüsse auf besagtem Debüt (irgendwie logischerweise) mehr als deutlich, konnten damit zumindest bei mir aber nur ausgiebiges Gähnen verursachen. Und so ist Lost Inc. wider Erwarten doch eine mehr als angenehme Überraschung.
Statt verkrampft auf einer Möchtegern-Sick-Schiene zu fahren, kommt Lost Inc. extrem entspannt daher und bietet zwar leicht verdauliche, aber dadurch nicht automatisch schlechte oder langweilige, Kost. WHITE PULPs Sound ist nach wie vor nicht unbedingt als eigenständig zu bezeichnen, aber ihr rockiger und irgendwie einschmeichelnder Stilmix aus futuristischem Elektro-Pop und bratenden Gitarren, der sich grob in der Schnittmenge von Orgy, Depeche Mode und etwas Paradise Lost (Host) bewegt, geht gut ins Ohr und weiß zusammen mit den charismatischen Vocals, sieht man deutlich hörbaren Akzent einmal ab, durchaus, den Hörer bei Laune zu halten.
Vor Allem Songs wie das pumpende Malediction, das treibende und von sehr guten Synths begleitete Titelstück und der klare Hit der Platte, Run Into, haben durchaus großes Club- bzw. Radiopotential. Auch die Coverversion von Mad World ist ordentlich, wenn auch durch die bratzigen Gitarren das ursprüngliche Feeling des Songs etwas verloren geht. Leider haben sich aber zum Ende von Lost Inc. mit Straight To Your Head und Unless You Are Not A Slut zwei nervige und viel zu noisige Songs eingeschlichen. Hier scheinen zwar NIN als Vorbilder durch, doch erreichen WHITE PULP erst mit dem folgenden S.T.F.U. das Level einer so gerade eben als gelungen zu bezeichnenden Huldigung selbiger. Man bekommt zwar von WHITE PULP auf diese Weise ein breites Spektrum geboten, doch wird klar, in welchem Bereich die eigentlichen Stärken bzw. die Schwächen des Trios liegen.
Für diese Ausfälle entschädigen dann allerdings teilweise wieder das sanfte Misunderstood Sweetness und Akustikversionen dreier Songs des Debütalbums, welche durch die Reduzierung auf das Nötigste wirklich interessant klingen und fast schon in eine alternative Singer/Songwriter Ecke gehen, die sich als Kontrast zum dichten elektronischen Sound gut macht und Lost Inc. eine weitere Facette hinzufügt.
Allen, die mit oben genannten Vergleichsbands etwas anfangen können und die mal wieder Lust auf unkomplizierte, leichte Düster-Rockmusik (glücklicherweise) fernab von pseudo-dramatischem Gothic Tralala haben, sei ein Probehören auf jeden Fall empfohlen.