SORGSVART – Vikingtid Og Anarki

 
Label: Einheit Produktionen
Release: 20.03.2008
Von: Seb
Punkte: 10/10
Time: 59:57
Stil: Folk Black Metal
URL: Sorgsvart
 
Nach dem großartigen Erstling von SORGSVART, und vor allem nach dem, was das einzige „Bandmitglied“ Sorg in meinem Interview mit ihm hinsichtlich des neuen, eigentlich ersten richtigen Studioalbum in Aussicht stellte, war Vikingtid Og Anarki eines der Alben, deren Erscheinen ich kaum abwarten konnte. Umso ärgerlicher, dass natürlich grade dessen Erscheinungstermin mehrere Male verschoben wurde, so dass es statt Ende 2007 nun erst seit Ende März diesen Jahres im Handel ist.
Ich habe keine Ahnung, wie sich das Material noch vor einigen Monaten anhörte, aber auf Vikingtid Og Anarki in seiner endgültigen Form merkt man von den ersten Tönen an, dass hier ein Perfektionist am Werke war, denn neben der für ein Ein-Mann-Projekt ausgezeichneten Produktion, birgt das Album eine kompositorische Vielfalt, wie sie das Genre nur selten zu bieten hat. Schon während ich das erste Mal den Opener und Titeltrack, 11 bzw. mit dem eigentlich dazugehörenden Instrumental gleichen Namens fast 14 Minuten lang, hörte, war ich mir sicher, ein großartiges Album vor mir zu haben. Einem relativ straighten schwarzmetallischem Beginn folgen eine Fülle von gleichzeitig mit leichter Hand eingestreut wirkenden aber nichtsdestotrotz wohlplazierten Melodien, bis auf einmal das Stück unvermittelt in einen wunderschönen, melancholischen Akustikteil übergeht, dessen Thema sowohl als das Stück anschließend wieder E-Gitarren auffährt, als auch im weiteren Verlauf des insgesamt einstündigen Albums immer wieder anklingen wird. Die musikalische Marschrichtung hinsichtlich Abwechslungsreichtums ist mit diesem Anfang schon einmal vorgegeben. Wer aber nun dachte, genau im Stile des Aufmachers ginge es durchgängig weiter, sieht sich getäuscht. Insgesamt scheint sich Sorg offenbar an keinerlei genre-bedingten Konventionen gebunden zu fühlen. Und auch eindeutige musikalische Vorbilder und Einflüsse lassen sich nicht erkennen. So entstammen einige seiner folkloristischen Melodien sicherlich skandinavischer Tradition, aber an anderen Stellen kann man ebenso das Gefühl haben, der Musiker habe sich von osteuropäischer (so fühlte ich mich besonders im letzten Stück UnderligtVidunderligt an die grandiosen Melodiebögen der Russen Pagan Reign erinnert…) oder gar irischer Folklore inspirieren lassen. Zu klassischem Black Metal Gekrächze gesellt sich überwiegend klarer, abwechslungsreicher und oft inbrünstig wirkender Gesang, der die vielen unterschiedlichen Melodiebögen auf Vikingtid Og Anarki unterstützt. Besonders eindrucksvoll gelingt dies zum Beispielt im wechselnd bedrohlich und epischen klingenden Bleivikmaen Ein Haglandsfaen, in dem Sorg vor einer Kulisse aus meist schnellen Gitarren und erhabenem Keyboard quasi mit sich selber ein Duett veranstaltet. Gänzlich anders, aber auch mit dem Motiv häufiger Stimmungs- und Tonlagenwechsel ausgestattet, ist das direkt folgende Opp Kamerat!, das im ersten Drittel so etwas wie eine Diskussionsrunde am Lagerfeuer oder Kamin zu beschreiben scheint, und dieses Thema weiterführt.
Wollte ich über alle Stücke im Detail beschreiben, welche Stimmungs- und Melodievielfalt geboten wird, würde das Lesen der Rezension am Ende genau so lange dauern, wie das Anhören des gesamten Albums. Hier bietet mitunter ein einziger Titel mehr Vielfalt, als in anderen Fällen ein ganzes Album und ich habe schon lange kein Album mehr gehört, das so spielerisch leicht zwischen fröhlichen, melancholischen und finsteren Melodien und Stimmungen wechselt wie dieses. Das wirklich Erstaunliche ist jedoch, dass eben diese Wechsel häufig vollkommen unerwartet und abrupt auftreten, gleichwohl aber jedes einzelne Stück bzw. das ganze Album wie aus einem Guss wirkt.
Fazit: Wer das nicht kauft, ist selber schuld. Sorg bzw. SORGSVART hat mit Vikingtid Og Anarki ein wahres Kunstwerk geschaffen!