Nach
dem großartigen Erstling von SORGSVART, und vor
allem nach dem, was das einzige „Bandmitglied“ Sorg
in meinem Interview mit ihm hinsichtlich des neuen, eigentlich
ersten richtigen Studioalbum in Aussicht stellte, war Vikingtid
Og Anarki eines der Alben, deren Erscheinen ich kaum
abwarten konnte. Umso ärgerlicher, dass natürlich
grade dessen Erscheinungstermin mehrere Male verschoben wurde,
so dass es statt Ende 2007 nun erst seit Ende März diesen
Jahres im Handel ist.
Ich habe keine Ahnung, wie sich das Material noch vor einigen
Monaten anhörte, aber auf Vikingtid Og Anarki
in seiner endgültigen Form merkt man von den ersten Tönen
an, dass hier ein Perfektionist am Werke war, denn neben der
für ein Ein-Mann-Projekt ausgezeichneten Produktion, birgt
das Album eine kompositorische Vielfalt, wie sie das Genre nur
selten zu bieten hat. Schon während ich das erste Mal den
Opener und Titeltrack, 11 bzw. mit dem eigentlich dazugehörenden
Instrumental gleichen Namens fast 14 Minuten lang, hörte,
war ich mir sicher, ein großartiges Album vor mir zu haben.
Einem relativ straighten schwarzmetallischem Beginn folgen eine
Fülle von gleichzeitig mit leichter Hand eingestreut wirkenden
aber nichtsdestotrotz wohlplazierten Melodien, bis auf einmal
das Stück unvermittelt in einen wunderschönen, melancholischen
Akustikteil übergeht, dessen Thema sowohl als das Stück
anschließend wieder E-Gitarren auffährt, als auch
im weiteren Verlauf des insgesamt einstündigen Albums immer
wieder anklingen wird. Die musikalische Marschrichtung hinsichtlich
Abwechslungsreichtums ist mit diesem Anfang schon einmal vorgegeben.
Wer aber nun dachte, genau im Stile des Aufmachers ginge es
durchgängig weiter, sieht sich getäuscht. Insgesamt
scheint sich Sorg offenbar an keinerlei genre-bedingten Konventionen
gebunden zu fühlen. Und auch eindeutige musikalische Vorbilder
und Einflüsse lassen sich nicht erkennen. So entstammen
einige seiner folkloristischen Melodien sicherlich skandinavischer
Tradition, aber an anderen Stellen kann man ebenso das Gefühl
haben, der Musiker habe sich von osteuropäischer (so fühlte
ich mich besonders im letzten Stück UnderligtVidunderligt
an die grandiosen Melodiebögen der Russen Pagan Reign erinnert…)
oder gar irischer Folklore inspirieren lassen. Zu klassischem
Black Metal Gekrächze gesellt sich überwiegend klarer,
abwechslungsreicher und oft inbrünstig wirkender Gesang,
der die vielen unterschiedlichen Melodiebögen auf Vikingtid
Og Anarki unterstützt. Besonders eindrucksvoll
gelingt dies zum Beispielt im wechselnd bedrohlich und epischen
klingenden Bleivikmaen Ein Haglandsfaen, in dem Sorg
vor einer Kulisse aus meist schnellen Gitarren und erhabenem
Keyboard quasi mit sich selber ein Duett veranstaltet. Gänzlich
anders, aber auch mit dem Motiv häufiger Stimmungs- und
Tonlagenwechsel ausgestattet, ist das direkt folgende Opp
Kamerat!, das im ersten Drittel so etwas wie eine Diskussionsrunde
am Lagerfeuer oder Kamin zu beschreiben scheint, und dieses
Thema weiterführt.
Wollte ich über alle Stücke im Detail beschreiben,
welche Stimmungs- und Melodievielfalt geboten wird, würde
das Lesen der Rezension am Ende genau so lange dauern, wie das
Anhören des gesamten Albums. Hier bietet mitunter ein einziger
Titel mehr Vielfalt, als in anderen Fällen ein ganzes Album
und ich habe schon lange kein Album mehr gehört, das so
spielerisch leicht zwischen fröhlichen, melancholischen
und finsteren Melodien und Stimmungen wechselt wie dieses. Das
wirklich Erstaunliche ist jedoch, dass eben diese Wechsel häufig
vollkommen unerwartet und abrupt auftreten, gleichwohl aber
jedes einzelne Stück bzw. das ganze Album wie aus einem
Guss wirkt.
Fazit: Wer das nicht kauft, ist selber schuld. Sorg bzw. SORGSVART
hat mit Vikingtid Og Anarki ein wahres Kunstwerk
geschaffen!