NEVERDREAM
bleiben ihrem Konzept treu, kritische Geschichtsschreibung mit
komplexem Progressiven Metal zu verbinden. Mag die Idee auch
nicht einzigartig sein, so ist sie doch in ihrer konsequenten
Umsetzung nicht hoch genug einzuschätzen. Keine zum x-ten
mal aufgekochten Beziehungsgeschichtchen, keine himmelhochjauchzenden
Anrufe des Allmächtigen, aber auch keine Segnung seines
Widerparts – NEVERDREAM widmen sich, nach ihrem
Blick auf das drogengeschwängerte „Chemische Schicksal“
der Christiane F. und der bitteren Analyse der Atomkatastrophe
von Tschernobyl, dem Kontinent Afrika, seiner Bedeutung und
seiner Geschichte zwischen Entsetzen, Gewalt und Hoffnung zu.
Das könnte
leicht in Betroffenheitskitsch ausarten, doch gleich zu Beginn
machen die Italiener klar, dass es ihnen ernst ist. Die ersten
Minuten von Kinshasa sind mit das Härteste, was
NEVERDREAM je eingespielt haben, ein Auftakt voller
Wut. Doch kein stumpfes Geprügel beherrscht die Szene;
dem Thema angemessen wird zwischen Gefühl (Sehnsucht,
Hoffnung) und scharfen Attacken (sowohl Gewalt wie mögliche
Befreiung) heftig changiert. Später wird sich das Tempo
hauptsächlich in mittleren Gefilden bewegen, Fabrizio
Dottoris Saxophon – neben der eigenwilligen musikalischen
Vertracktheit, eines DER Markenzeichen der Band – wird
wieder für überraschende und gelungene Einsprengsel
sorgen.
Obwohl von Death Metal-nahen Attacken bis zu jazzigen Exkursionen
einiges an Abwechslung geboten wird, wirkt Said
wie aus einem Guss. Das Konzept trägt die Musik und die
Musik das Konzept. Dabei klingen NEVERDREAM äußerst
originär; obwohl das Presseheft die üblichen Verdächtigen
(Pain Of Salvation, Dream, Theater, Porcupine Tree, Katatonia)
als Vergleiche anbietet, besitzt das römische Sextett
eine eigene Stimme, die in Chemical Faith schon
vorhanden war und sich konsequent weiter entwickelt hat.
Wer King Crimson
schätzt, Pain Of Salvation nicht abgeneigt ist, ein Faible
für opulente Keyboardklänge besitzt und auch gegen
ein Maß an (berechtigtem) Pathos nichts einzuwenden
hat, der darf Said in seinen Player und sein
Herz schließen. Und sich zudem darüber freuen,
dass NEVERDREAM endlich ein Label gefunden haben. Zeit
durchzustarten...
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