NEVERDREAM – Said

 
Label: Twilight Zone Records
Release: 18.06.2010
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 65:09
Stil: Progressive Metal
URL: Neverdream
 
NEVERDREAM bleiben ihrem Konzept treu, kritische Geschichtsschreibung mit komplexem Progressiven Metal zu verbinden. Mag die Idee auch nicht einzigartig sein, so ist sie doch in ihrer konsequenten Umsetzung nicht hoch genug einzuschätzen. Keine zum x-ten mal aufgekochten Beziehungsgeschichtchen, keine himmelhochjauchzenden Anrufe des Allmächtigen, aber auch keine Segnung seines Widerparts – NEVERDREAM widmen sich, nach ihrem Blick auf das drogengeschwängerte „Chemische Schicksal“ der Christiane F. und der bitteren Analyse der Atomkatastrophe von Tschernobyl, dem Kontinent Afrika, seiner Bedeutung und seiner Geschichte zwischen Entsetzen, Gewalt und Hoffnung zu.

Das könnte leicht in Betroffenheitskitsch ausarten, doch gleich zu Beginn machen die Italiener klar, dass es ihnen ernst ist. Die ersten Minuten von Kinshasa sind mit das Härteste, was NEVERDREAM je eingespielt haben, ein Auftakt voller Wut. Doch kein stumpfes Geprügel beherrscht die Szene; dem Thema angemessen wird zwischen Gefühl (Sehnsucht, Hoffnung) und scharfen Attacken (sowohl Gewalt wie mögliche Befreiung) heftig changiert. Später wird sich das Tempo hauptsächlich in mittleren Gefilden bewegen, Fabrizio Dottoris Saxophon – neben der eigenwilligen musikalischen Vertracktheit, eines DER Markenzeichen der Band – wird wieder für überraschende und gelungene Einsprengsel sorgen.
Obwohl von Death Metal-nahen Attacken bis zu jazzigen Exkursionen einiges an Abwechslung geboten wird, wirkt Said wie aus einem Guss. Das Konzept trägt die Musik und die Musik das Konzept. Dabei klingen NEVERDREAM äußerst originär; obwohl das Presseheft die üblichen Verdächtigen (Pain Of Salvation, Dream, Theater, Porcupine Tree, Katatonia) als Vergleiche anbietet, besitzt das römische Sextett eine eigene Stimme, die in Chemical Faith schon vorhanden war und sich konsequent weiter entwickelt hat.

Wer King Crimson schätzt, Pain Of Salvation nicht abgeneigt ist, ein Faible für opulente Keyboardklänge besitzt und auch gegen ein Maß an (berechtigtem) Pathos nichts einzuwenden hat, der darf Said in seinen Player und sein Herz schließen. Und sich zudem darüber freuen, dass NEVERDREAM endlich ein Label gefunden haben. Zeit durchzustarten...