Wenn
eine Band aus Bergen in Norwegen stammt, 66CRUSHER heißt,
dann liegt es nahe mit einem Black/Death-Metal Brett zu rechnen
(auch wenn eine 6 im Bandnamen fehlt). Aber die Spur führt
in die Irre, denn auch, wenn es auf Truth Unmasked hart und
düster zugeht, fehlen die üblichen Zutaten wie z.B.
Growls völlig. Jarle Olsvoll, Sänger und Gitarrist,
besitzt ein sonores, klares Organ, das auch mal laut werden
kann, ohne je in aggressives Geschrei auszubrechen. Musikalisch
ist man eher im schwerblütigen Progressiv-Metal daheim,
laut Band-Info mit leichtem Thrash-Einschlag. Nun gut, das haut
ungefähr hin. Als Orientierungspunkte können hier
Fates Warning, oder eine härtere Ausgabe der deutschen
Sieges Even mit einem Tick Queensryche angereichert, dienen.
66CRUSHER spielen vertrackte Musik, deren Härtegrad
sich meist im moderaten Mildtempo-Bereich bewegt, freilich ohne
Scheu davor, sowohl in sanftere wie heftigere Regionen abzudriften.
Wobei besonders die semi-akustischen, kurzen Zwischenstücke
zu gefallen wissen; hier beweist die Band ein feines Händchen
für Melodie und Gefühl. Die schnelleren Stücke
wie Mindtrapped Pt.2 zerfallen mitunter etwas, sind in
ihrer Breaklastigkeit und wenig melodischen Komplexität
in manchen Momenten schwer zugänglich, allerdings ohne
dass Griffbrettorgien gefeiert werden. Es sind eher bleischwere
Gewitter, die über den Hörer hereindonnern, die aber
glücklicherweise immer wieder aufgefangen werden durch
zündende Ideen und spannende Instrumentierungen, als bestes
Beispiel mag der brachiale und erst zum Ende hin atemholende
Opener The Eye Of The Betrayer dienen.
Die anfangs erwähnte Düsternis hängt vor allem
mit dem zweiten Teil des Albums zusammen, dem 34minütigen
Konzeptwerk Faith, dessen 5 Teile die Geschichte einer jungen
Frau erzählen, die vom Vater missbraucht, sich einer christlichen
Organisation zuwendet, nur um dort von deren charismatischen
Anführer wiederum sexuell missbraucht zu werden. Am Ende
stehen der Tod und ein wenig Hoffnung. Musikalisch wurde das
schwere Thema adäquat umgesetzt, von der Verzweiflung,
über Momente der Ruhe, bis hin zum ungewissen Ausgang vermag
das Werk zu fesseln. Einige Holprigkeiten bei Übergängen
und in der Struktur einzelner Songs sind dabei verzeihlich.
Für ein eigenproduziertes Debüt sind sowohl der Sound,
als auch die technische Umsetzung sehr gut gelungen. Wenn diese
Band kein Label finden sollte - vielleicht unter anderem Namen,
66CRUSHER klingt sehr nach einem amerikanischen Kühlschrank
mit eingebautem Eishäcksler –, läuft irgendwas
verkehrt.