66CRUSHER – Truth Unmasked

 
Label: Eigenproduktion
Release: 13.05.2007
Von: Joking
Punkte: 7.5/10
Time: 66:20
Stil: Progressive Power Metal
URL: 66Crusher
 
Wenn eine Band aus Bergen in Norwegen stammt, 66CRUSHER heißt, dann liegt es nahe mit einem Black/Death-Metal Brett zu rechnen (auch wenn eine 6 im Bandnamen fehlt). Aber die Spur führt in die Irre, denn auch, wenn es auf Truth Unmasked hart und düster zugeht, fehlen die üblichen Zutaten wie z.B. Growls völlig. Jarle Olsvoll, Sänger und Gitarrist, besitzt ein sonores, klares Organ, das auch mal laut werden kann, ohne je in aggressives Geschrei auszubrechen. Musikalisch ist man eher im schwerblütigen Progressiv-Metal daheim, laut Band-Info mit leichtem Thrash-Einschlag. Nun gut, das haut ungefähr hin. Als Orientierungspunkte können hier Fates Warning, oder eine härtere Ausgabe der deutschen Sieges Even mit einem Tick Queensryche angereichert, dienen. 66CRUSHER spielen vertrackte Musik, deren Härtegrad sich meist im moderaten Mildtempo-Bereich bewegt, freilich ohne Scheu davor, sowohl in sanftere wie heftigere Regionen abzudriften. Wobei besonders die semi-akustischen, kurzen Zwischenstücke zu gefallen wissen; hier beweist die Band ein feines Händchen für Melodie und Gefühl. Die schnelleren Stücke wie Mindtrapped Pt.2 zerfallen mitunter etwas, sind in ihrer Breaklastigkeit und wenig melodischen Komplexität in manchen Momenten schwer zugänglich, allerdings ohne dass Griffbrettorgien gefeiert werden. Es sind eher bleischwere Gewitter, die über den Hörer hereindonnern, die aber glücklicherweise immer wieder aufgefangen werden durch zündende Ideen und spannende Instrumentierungen, als bestes Beispiel mag der brachiale und erst zum Ende hin atemholende Opener The Eye Of The Betrayer dienen.
Die anfangs erwähnte Düsternis hängt vor allem mit dem zweiten Teil des Albums zusammen, dem 34minütigen Konzeptwerk Faith, dessen 5 Teile die Geschichte einer jungen Frau erzählen, die vom Vater missbraucht, sich einer christlichen Organisation zuwendet, nur um dort von deren charismatischen Anführer wiederum sexuell missbraucht zu werden. Am Ende stehen der Tod und ein wenig Hoffnung. Musikalisch wurde das schwere Thema adäquat umgesetzt, von der Verzweiflung, über Momente der Ruhe, bis hin zum ungewissen Ausgang vermag das Werk zu fesseln. Einige Holprigkeiten bei Übergängen und in der Struktur einzelner Songs sind dabei verzeihlich.
Für ein eigenproduziertes Debüt sind sowohl der Sound, als auch die technische Umsetzung sehr gut gelungen. Wenn diese Band kein Label finden sollte - vielleicht unter anderem Namen, 66CRUSHER klingt sehr nach einem amerikanischen Kühlschrank mit eingebautem Eishäcksler –, läuft irgendwas verkehrt.