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HATE ETERNAL - DYING FETUS - DEEDS OF FLESH

PREJUDICE - PARENTAL ADVISORY

 
2004-01-18 AT – Wien - Planet Music
 

Endlich hatte der Konzertentzug für mich ein Ende, lag doch der letzte für mich erwähnenswerte Gigbesuch (7th Nemesis in der ZuGaBe) schon rund drei Monate in der Vergangenheit, wodurch meine Entzugserscheinungen körperlicher als auch geistiger Natur dementsprechend heftig ausgeprägt waren. Somit wurden meine Vorsätze, für mich als Deathmetal-Junky und Freund eines jeden ultrabrutalen Gebolzes, einen Konzertabend zur Abwechslung mal ohne übermäßig Hopfen und Malz zu genießen durch ein Bandaufgebot von solch konzentrierter Brutalität innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht...

Start war 19:30 im Planet Music in Wien. Den Opener machten die lokalen Todesmetaller von PARENTAL ADVISORY, die einen sehr soliden Gig herunterklopften und professionell und routiniert zu Tage traten. Der Sound war ziemlich gut, bezüglich Bühnenshow war auch einiges los, das Spieltempo war zu einem großen Teil im höheren bpm-Bereich angesiedelt und die Songs trotzdem abwechslungsreich gestaltet. Tja, das Publikum hätte es ihnen zumindest durch angemessenem Applaus danken sollen, trotzdem waren die Reaktionen der Audienz eher zurückhaltend was einen andererseits aber auch nicht verwundern darf, denn eine Begleiterscheinung, die der Part des Openers fast immer zwangsweise mit sich bringt, ist ganz einfach geringe Motivation des Publikums welche wahrscheinlich bedingt ist durch einen nicht oder zumindest noch nicht ausreichend vorhandenen Alkoholspiegel. Und sich an einem Sonntag mit einem darauffolgenden Arbeits-/ Schultag die Kante mit Bier um 3,10€ zu geben, lag wohl auch nicht im Sinne eines jeden Konzertbesuchers, was die Stimmung im Allgemeinen doch etwas drückte. Trotzdem denke ich, dass es für die Jungs von PARENTAL ADVISORY eine tolle Möglichkeit und Erfahrung war, mit Größen wie HATE ETERNAL und Co spielen zu dürfen.

Die zweite Partie des Abends waren PREJUDICE aus Belgien, deren Auftritt wohl als mehr als unglücklich zu bezeichnen ist. Diese Jungs sind herausragende Musiker, was sie schon einmal sehr eindrucksvoll auf der 2002er Tour mit Vader und Krisiun bewiesen haben. Jeder einzelne der belgischen Deathmetal-Freaks ist technisch auf allerhöchstem Niveau, doch zerstört wurde die Gefrickelshow durch den wohl schlechtesten Sound des Abends. Das Drumming konnte höchstens erahnt und zum Gesehenen dazugedacht werden, was sehr schade war, denn was Frank auf seinem Drumkit dargeboten hat war rein optisch schon ein Genuss. Da diese Band wie gesagt extrem technisch ausgerichtet ist, was bedeutet, dass hier relativ wenig Platz für langsame Headbangerrhythmen war, und davon mehr gesehen als gehört werden konnte, lässt es wohl keinen verwundern, dass die Begeisterung im Publikum (trotz steigendem Promillegahalt im Blut...) sehr zurückhaltend war. Schade...

Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich in mir ein Gefühl der Unruhe, denn sollte der Sound bei den restlichen Bands auch so dermaßen schlecht sein, würde dies das absolute zunichte machen eines Konzertabends bedeuten, der aber einfach genial sein musste. Und so schien es auch den Anschein zu haben, denn als DEEDS OF FLESH die Bühne betraten und in die Saiten/Toms schlugen, war der Sound nicht um ein bisschen besser als bei ihren Vorgängern. Anscheinend ist zu Beginn das Triggermodul bei den Drums ausgefallen, wodurch die Base unhörbar war, was sich aber zu meiner Beruhigung schnell besserte. Ähnlich verhielt es sich mit der Snare, die bei den Blastattacken nicht zu hören war, was den Brutalitätsfaktor um einiges schrumpfen ließ. Nachdem aber auch dieses Problem behoben wurde war der Sound einigermaßen passabel und zu den brutalen Klängen der drei US-Deather konnte nun ohne störende Zusatzfaktoren gelauscht werden. Geknüppelt wurde quer durch die Bank, von Trading Pieces bis zu deren neuesten Werk Reduced To Ashes, doch so sehr mich die Band auf CD fasziniert, so wenig konnte sie mich live begeistern. Hier fehlte eindeutig ein Sänger, der es verstanden hätte, Stimmung ins Publikum zu bringen. Bei einer solch uneingängigen Mucke bräuchte man wenigstens eine gute, energiegeladene Bühnenshow, was sich jedoch mit zwei Mannen an der Front, welche beide mit Gesang und Gitarrenspiel mehr als genug beschäftigt sind, schwer bewerkstelligen lässt. Technisch einwandfreies Geknüppel, aber live auf die Dauer zu unspektakulär.

Als nächstes waren DYING FETUS an der Reihe und zeigten in absolut beeindruckender Weise ihre Klasse als Live-Band, denn für den Großteil des Publikums waren sie mit Abstand DIE Band des Abends. Ich muss zugeben, dass ich kein absoluter Verfechter dieser US-Deathmetalpartie bin und mich bisher dementsprechend wenig mit dem Material der Band auseinandergesetzt habe, doch was dem Publikum an diesem Abend geboten wurde, war eine mehr als reife Leistung. Zum einen war der Sound im Gegensatz zu den vorangegangenen Bands doch um einiges besser, was schon einmal einen enormen Vorteil bedeutete. Zum anderen - und das hat dem Publikum bisher anscheinend am meisten gefehlt - sind die Songs eingängiger und dynamischer gestaltet und laden durch das nicht ständig durchgehende Gebolze und die sehr gezielt eingesetzten Tempiwechsel geradezu zum Headbangen ein. Da ließen sich die Zuschauer auch nicht erst lange bitten und das Resultat war eine riesige Moshpit, welche sich schon nach kürzester Zeit gebildet hat und in der es mehr als rund gegangen ist (gell Christoph... *G*). Tja, mehr gibt’s von meiner Seite zu diesem Spektakel auch nicht zu sagen außer: Hut ab!!!

Nachdem DYING FETUS die Bühne verlassen hatten ging es für mich ans Eingemachte, denn nun sollten meine Favoriten in kurzer Zeit den Thron besteigen, um einmal mehr zu beweisen, dass sie die Könige des Deathmetal sind, was HATE ETERNAL meiner Meinung nach auch getan haben. Mit einem genialen Album wie King Of All Kings im Rücken sollte es einer Band nicht schwer fallen die Menge für sich zu gewinnen. Doch ich denke dass HATE ETERNAL, abgesehen von soundtechnischen Turbulenzen, das gleiche Problem hatten wie DEEDS OF FLESH. Solche Musik ist für Liveauftritte zu technisch, wenig eingängig und ganz einfach ungeeignet fürs Headbangen. Was für die meisten Musiker ein Augen – bzw. Ohrenschmaus ist, ist für einige andere wohl nur undurchsichtiges, ultraschnelles Gebolze, bei dem wenig Stimmung rüberkommt und das auf die Dauer sicher schnell langweilig werden und eintönig wirken kann. Dementsprechend leerte sich die Halle von Song zu Song mehr, was der Spielfreude der drei Mannen jedoch nichts anzuhaben schien und so wurde Nummer um Nummer in einem dermaßen schnellen Tempo heruntergeblastet, dass ich nur mehr ungläubig, auf Derek Roddy’s Drumkit starrend, dastand und vor Neid erblasste. Nicht fehlen durften natürlich die beiden genialen Songs King Of All Kings und Powers That Be mit welchem der Auftritt, soweit ich mich nicht täusche, da meine Sinneswahrnehmung und mein Aufnahmevermögen doch durch einige Liter Gerstensaft getrübt waren, beendet wurde. Einzig und allein die Tatsache, dass Herr Drumgott Roddy kein Solo von sich gegeben hat, ist für mich Grund, den Gig von HATE ETERNAL als nicht perfekt zu bezeichnen.

 
story © Xaphir